Ich war dabei: Ringo Keller

1968 war ich schon ein alter Konzerthase. Besuchte ich doch bereits das erste „Popkonzert“ im Hallenstadion mit Cliff Richard und den Shadows. Keine Ahnung mehr wann das war. Im 1967 dann selbstverständlich das Stones Konzert. Dazwischen in kleineren Hallen wie Volkshaus, Spyrgarten Altstetten etc. kleinere Konzerte von den Lords, Kinks, Procol Harum und viele mehr. Die Sauterelles waren natürlich an vielen Orten zu bewundern und auch die anderen Schweizer Bands wurden besucht.

Aber das angekündigte Monsterkonzert übertraf alles Bisherige. Das Konzert war genau einen Monat vor meinem 20igsten Geburtstag angesetzt. Bis auf die Koobas war ich eigentlich an allen Bands interessiert. Im Vorfeld hatte ich unheimliches Glück. Einerseits gewann ich ein Ticket und an einem anderer Wettbewerb eine Autogrammstunde mit Eric Burdon.

Ringo an der Autogrammstunde von Eric Burdon am Stauffacherquai 12 in Zürich am 30. Mai 1968
  









 
So musste ich nur ein einziges Ticket kaufen um an beiden Abenden dabei zu sein. Ehrlich gesagt verstand ich bei Eric Burdon nicht gerade viel, da damals mein Englisch mehr als mangelhaft war. Einen der Künstler lernte ich später ganz gut kennen. Es ist Walt Anselmo. Oft sassen wir in derselben Bar im Oberdorf und quatschten über Musik. Einen Abend, respektive die Nacht vergesse ich nicht mehr. Wollte mir doch Walti so gegen 02.00 Uhr erklären wie man eine Sitar stimmt. Ein absolut sinnloses Unterfangen. Ein Schlagzeuger wie ich es war kann ja nicht einmal eine Gitarre stimmen.

Wenn ich mich recht erinnere spielten die Bands, heute müsste man wohl Acts schreiben, an den beiden Abenden nicht in derselben Reihenfolge. Am ersten Abend spielte Eric Burdon als drittletzte Gruppe. Da sie aber so viel besser waren, traten sie am zweiten Abend als zweitletzte vor Jimi Hendrix auf.
Nun zu den einzelnen Bands, so wie ich sie erlebt und in Erinnerung habe. Wie schon gesagt mit den Koobas und auch den Move konnte ich nicht viel anfangen. Bei John Mayall erinnere ich mich noch daran, dass sie ziemlich leise spielten und er das Publikum immer wieder zu mehr Ruhe mahnte. Was natürlich nicht wirklich gelang. Dann war da natürlich noch die Episode mit dem geklauten Feuerzeug. Mayall weigerte sich weiter zu spielen bis er sein Feuerzeug wieder habe. Ich sehe heute noch die Jagd auf den fliehenden Dieb auf der Rennbahn vor mir. Damals konnte ich mit Blues noch nicht viel anfangen und fand das Ganze solala.
Gespannt war ich auf die Traffic. Steve Winwood war mir ja von der Spencer Davis Group (Keep on Running, Somebody help me) her schon bekannt. Er galt in Popkreisen mir seinen damals 20 Jahren als das Riesentalent. Der Auftritt gefiel mir ganz gut.
Eric Burdon war mir natürlich mit seinen „alten“ Animals schon lange ein Begriff. Der Auftritt im Hallenstadion war wohl für die meisten Besucher die grösste Überraschung. Mit seiner Visualisierung, was man damals bei uns noch nicht kannte, verblüffte er total. Ich sehe noch das Kreuz mit den Einschusslöchern vor mir.
Dann natürlich Jimi Hendrix! Ich hatte damals schon alle LP‘s die er mit den Experience herausgegeben hatte. Mir gefällt Hendrix bis heute mit den Experience am besten. Mitch Mitchell, als musikalischer Drummer passte damals genau zur Musik von Jimi. Auch Noel Redding passte hervorragend dazu. Dass er nicht „nur“ Bass spielen konnte bewies er auch später mit den Fat Matress wo er wieder als Gitarrist tätig war.
Mein heutiges Fazit. Super dass ich dabei war!

Ringo im Mai 2018

Foto: Ringo ca. 1974

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